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10 · Wirtschaft & Kunde

AP1

Rund die Hälfte der AP1 ist kaufmännisch: Angebote vergleichen, kalkulieren, Wirtschaftlichkeit begründen. Alles gut lernbare Rechenwege.

10.1 · Angebotsvergleich & Nutzwertanalyse

AP1Häufig

Quantitativ = Bezugspreise vergleichen (Listenpreis − Rabatt − Skonto + Fracht …). Qualitativ = weiche Kriterien (Service, Lieferzeit, Kompatibilität) über eine Nutzwertanalyse:

Schritte: Kriterien wählen → gewichten (Summe 100 %) → Punkte vergeben (z. B. 1–10) → Punkte × Gewicht → Summe vergleichen.

KriteriumGewichtAnbieter AAnbieter B
Preis40 %8 → 3,26 → 2,4
Service30 %5 → 1,59 → 2,7
Lieferzeit30 %7 → 2,17 → 2,1
Nutzwert6,87,2

B gewinnt trotz höherem Preis.

In der Prüfung oft verlangt: Ergebnis interpretieren („Warum kann B trotz schlechterem Preis die bessere Wahl sein?“) und die Grenzen nennen (Gewichtung ist subjektiv → transparent begründen).

10.2 · Kalkulation: Bezug, Zuschlag, Stundensatz

AP1regelmäßig

Kalkulation heißt: aus dem Preis, den ein Lieferant nennt, den eigenen Einstandspreis ermitteln — und aus den eigenen Kosten den Verkaufspreis herleiten. Je nachdem, was bekannt ist und was gesucht wird, unterscheidet man drei Grundtypen.

Drei Kalkulationsarten

  • Zuschlagskalkulation (vorwärts): Vom Einstandspreis ausgehend werden Handlungskosten, Gewinn, Skonto, Rabatt etc. draufgeschlagen, bis man beim Verkaufspreis landet.
  • Rückwärtskalkulation: Man geht vom (meist vorgegebenen) Verkaufspreis aus – z. B. weil der Markt einen bestimmten Preis verlangt – und rechnet zurück, was man sich maximal beim Einkauf leisten kann bzw. welcher Gewinn übrig bleibt.
  • Differenzkalkulation (auch Handelsspannenkalkulation): Man kennt sowohl Einstands- als auch Verkaufspreis und ermittelt die Differenz dazwischen (Handelsspanne/Gewinn), meist um zu prüfen, ob sich das Geschäft lohnt.

Bevor eine dieser drei Rechnungen möglich ist, muss meist erst der eigene Einstandspreis aus dem Lieferantenpreis ermittelt werden – das leistet die Bezugskalkulation direkt im Anschluss. Rechenschema und Beispiel für Rückwärts- und Differenzkalkulation folgen als eigener Schritt (noch offen).

Bezugskalkulation: vom Listenpreis zu den Selbstkosten

Ausgehend vom Bruttolistenpreis des Lieferanten rechnet man über Mehrwertsteuer, Rabatt und Skonto bis zum eigenen Einstandspreis; mit Handlungskosten aufgeschlagen ergeben sich daraus die Selbstkosten. Beispiel: Bruttolistenpreis 355,05 €, MwSt. 19 %, Liefererrabatt 15 %, Liefererskonto 3 %, Bezugskosten 10,95 €, Handlungskostenzuschlag 40 %. In jedem Block steht links, welche Zeile gerade die 100 % ist – rot markiert ist immer der Prozentsatz, der gerade angewendet wird.

119 %Bruttolistenpreis355,05 €
19 %Mehrwertsteuer: 56,69 €
100 %Nettolistenpreis298,36 €
100 %Nettolistenpreis298,36 €
15 %Liefererrabatt: 44,75 €
85 %Zieleinkaufspreis253,61 €
100 %Zieleinkaufspreis253,61 €
3 %Liefererskonto: 7,61 €
97 %Bareinkaufspreis246,00 €
Bareinkaufspreis246,00 €
+ Bezugskosten: 10,95 €
Bezugspreis (Einstandspreis)256,95 €
100 %Bezugspreis (Einstandspreis)256,95 €
40 %Handlungskostenzuschlag: 102,78 €
140 %Selbstkosten359,73 €

Zuschlagskalkulation (vorwärts): von den Selbstkosten zum Verkaufspreis

Ab den Selbstkosten wird der Gewinn aufgeschlagen. Kundenskonto, -rabatt und Mehrwertsteuer müssen danach zurückgerechnet werden – dafür gilt die Hundert-Falle weiter unten: durch (100 % − Satz) teilen, nicht einfach den Satz addieren. Beispiel (Fortsetzung): Gewinnaufschlag 50 %, Kundenskonto 2 %, Kundenrabatt 5 %, MwSt. 19 %. Bei Kundenskonto und -rabatt steht die 100 %-Zeile deshalb unten, nicht oben – das ist der optische Hinweis auf die Hundert-Falle: der bekannte Wert ist hier nicht die Basis.

100 %Selbstkosten359,73 €
50 %Gewinnaufschlag: 179,87 €
150 %Barverkaufspreis539,60 €
98 %Barverkaufspreis539,60 €
2 %Kundenskonto: 11,01 €
100 %Zielverkaufspreis550,61 €
95 %Zielverkaufspreis550,61 €
5 %Kundenrabatt: 28,98 €
100 %Nettoverkaufspreis (Listenverkaufspreis)579,59 €
100 %Nettoverkaufspreis579,59 €
19 %Mehrwertsteuer: 110,12 €
119 %Bruttoverkaufspreis689,71 €

Ein Kalkulationsrechner zum Selbst-Ausprobieren mit eigenen Werten steht unter Werkzeuge · Kalkulationsrechner.

Stundensatz

Ein Stundensatz ist die Grundlage für Angebote und Servicepreise: Personal- und Gemeinkosten plus Gewinn werden auf die tatsächlich verrechenbaren Stunden verteilt — also nicht auf alle Arbeitstage, sondern nur auf deren produktiven Anteil.

verrechenbare Stunden = Arbeitstage − Urlaub/Krank/Feiertage davon produktiver Anteil (z. B. 80 %) Stundensatz = (Personalkosten + Gemeinkosten + Gewinn) ÷ verrechenbare Stunden Beispiel: 90 000 € ÷ 1 400 h ≈ 64 €/h → Grundlage für Angebote

Die Hundert-Falle

Skonto wird vom Zahlbetrag aus gerechnet. Beim Aufschlagen (vom Bar- zum Zielverkaufspreis, innerhalb der Zuschlagskalkulation) muss deshalb durch (100 − Satz) geteilt werden, nicht einfach aufgeschlagen.

10.3 · TCO, Amortisation & Break-Even

AP1regelmäßig

TCO (Total Cost of Ownership): alle Kosten über die Nutzungsdauer – Anschaffung + Betrieb (Strom, Lizenzen, Wartung, Support, Schulung, Entsorgung). Der „billige“ Drucker mit teurem Toner verliert im TCO-Vergleich.

Amortisation: Zeit = Anschaffungskosten ÷ jährliche Einsparung Beispiel: neue Server 24 000 €, sparen 8 000 €/Jahr (Strom + Wartung) → 24 000 ÷ 8 000 = 3 Jahre Break-Even: Menge = Fixkosten ÷ (Preis − variable Kosten je Stück) Beispiel: Fixkosten 12 000 €, Deckungsbeitrag 60 €/Stück → 200 Stück

Interpretation gehört dazu: kürzere Amortisation = geringeres Risiko; ab dem Break-Even trägt jedes weitere Stück zum Gewinn bei.

10.4 · Kauf, Miete oder Leasing & Make-or-Buy

AP1regelmäßig

Für die Beschaffung von Hardware oder Software stehen grundsätzlich drei Wege offen – kaufen, leasen oder mieten –, die sich vor allem in Eigentum, Liquiditätsbelastung und Flexibilität unterscheiden.

KaufLeasingMiete (inkl. SaaS)
Eigentumjanein (Leasinggeber)nein
Liquiditäthohe Anfangsausgabegeschont, planbare Ratengeschont, flexibel kündbar
AktualitätVeraltungsrisiko selbstAustausch am Laufzeitendeimmer aktuell (Updates inklusive)
typischlanglebige InfrastrukturClient-Flotten, FahrzeugeSoftware, Cloud, kurzfristiger Bedarf

Make or Buy: selbst betreiben oder einkaufen (Outsourcing/Cloud)? Kriterien: Kernkompetenz, Kosten (TCO!), Know-how, Abhängigkeit, Datenschutz. Saubere Struktur: 2–3 Argumente pro Seite, dann begründete Empfehlung – genau das Format der AP1-Antworten.

10.5 · Rechtsformen & Vollmachten kompakt

AP1, WiSogelegentlich

Die Rechtsform eines Unternehmens bestimmt vor allem, wie weit die Haftung reicht und wie viel Kapital zur Gründung nötig ist.

FormHaftungMerkmal
e. K.unbeschränkt, privatEinzelunternehmer im Handelsregister
GbRalle Gesellschafter unbeschränkteinfachste Personengesellschaft
OHG / KGunbeschränkt / Komplementär unbeschränkt, Kommanditist bis EinlagePersonengesellschaften für Kaufleute
GmbHbeschränkt auf Gesellschaftsvermögen25 000 € Stammkapital
UG (haftungsbeschränkt)beschränktab 1 € Kapital, Rücklagenpflicht („Mini-GmbH“)
AGbeschränkt50 000 € Grundkapital, Aktien, Vorstand/Aufsichtsrat

Warum so viele die GmbH wählen – eine Standardfrage, meist mit zwei geforderten Begründungen: Die Haftung ist auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt, das Privatvermögen der Gesellschafter bleibt also außen vor. Und das Mindestkapital von 25.000 € ist überschaubar – bei der Gründung muss davon nur die Hälfte eingezahlt sein. Dazu kommen praktische Gründe: Eine GmbH wirkt gegenüber Banken und Kunden solider als ein Einzelunternehmen, Anteile lassen sich übertragen, und die Geschäftsführung darf auch bei jemandem liegen, der gar nicht Gesellschafter ist.

Prokura = umfassende, ins Handelsregister eingetragene Vollmacht (ppa.); Handlungsvollmacht = branchen-/geschäftsübliche Geschäfte (i. V.). Wer darf den Serververtrag unterschreiben? – so taucht es in Aufgaben auf.

10.6 · Kundenkommunikation

AP1Rahmenplangelegentlich

Kommunikation mit Kunden gelingt nur, wenn eine Nachricht beim Empfänger auch so ankommt, wie sie gemeint war – mehrere Kommunikationsmodelle helfen, typische Störungen zu erkennen und zu vermeiden.

  • Sender-Empfänger: Störungen (Fachjargon, Übertragungsweg) erkennen und beheben – Rückfragen, Zusammenfassen, Verständnis sichern.
  • 4-Ohren-Modell (Schulz von Thun): jede Nachricht hat Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung, Appell. „Der Server ist schon wieder langsam!“ → Appell-Ohr: „Bitte kümmere dich.“ Prüfungsaufgabe: Ebenen an einem Dialog benennen.
  • Aktives Zuhören: ausreden lassen, paraphrasieren, nachfragen – gerade im Support und im Fachgespräch Gold wert.
  • Zielgruppengerecht: Geschäftsführung will Nutzen/Kosten/Risiko, Fachabteilung will Bedienung, IT will Technik – dieselbe Lösung, drei Erklärungen.
  • AIDA (Attention, Interest, Desire, Action) für Angebots-/Präsentationsaufbau; Beschwerden: ernst nehmen, sachlich lösen, nachfassen – eine gelöste Beschwerde bindet Kunden.

10.7 · Eigene Notizen

ungeprüft

Platz für das, was in Unterricht und Praktikum dazukommt. Abschnitt kopieren, Inhalt eintragen, später das Belegzeichen austauschen – System siehe Legende.