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09 · Projektmanagement & QS

AP1, AP2, Projekt

Doppelt wichtig: als Prüfungsstoff (Netzplan!) und als Handwerkszeug für deine eigene 40-Stunden-Projektarbeit.

09.1 · Projektbegriff & magisches Dreieck

AP1, Projektregelmäßig

Projekt = einmalig, zielgerichtet, zeitlich begrenzt, begrenzte Ressourcen, eigene Organisation (DIN 69901). Das magische Dreieck spannt Zeit – Kosten – Qualität/Leistungsumfang auf: Änderst du eine Ecke, bewegen sich die anderen („schneller und billiger geht nur mit weniger Umfang“).

  • SMART-Ziele: Spezifisch, Messbar, Attraktiv/Akzeptiert, Realistisch, Terminiert – Standardprüfstein für die eigene Projektarbeit und für Aufgaben.
  • Phasen: Initiierung → Planung → Durchführung → Abschluss, getrennt durch Meilensteine.
  • Stakeholder: alle Betroffenen/Beteiligten identifizieren (Auftraggeber, Nutzer, IT, Betriebsrat!) und je nach Einfluss einbinden.
  • Risikoanalyse: Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit × Schadenshöhe; Maßnahmen: vermeiden, vermindern, übertragen (Versicherung), akzeptieren.

09.2 · Netzplantechnik – mit Rechenweg

AP1, AP2Häufig

Ein Netzplan berechnet aus der Dauer und den Abhängigkeiten aller Vorgänge, wann jeder frühestens beginnen und spätestens enden darf – und zeigt so den kritischen Pfad, der die Projektlaufzeit bestimmt.

Jeder Vorgang: FAZ = frühester Anfang FEZ = FAZ + Dauer SEZ = spätestes Ende SAZ = SEZ − Dauer Vorwärtsrechnung: FAZ = MAX(FEZ aller Vorgänger) (Start: 0) Rückwärtsrechnung: SEZ = MIN(SAZ aller Nachfolger) (vom Ende her) Gesamtpuffer GP = SAZ − FAZ. GP = 0 → kritischer Pfad! Beispiel: A(3) → B(4) → D(2) A(3) → C(2) ────┘ (D braucht B UND C) Vorwärts: A: FAZ 0, FEZ 3 · B: 3→7 · C: 3→5 · D: FAZ = MAX(7,5)=7, FEZ 9 Rückwärts: D: SEZ 9, SAZ 7 · B: SEZ 7, SAZ 3 · C: SEZ 7, SAZ 5 · A: SAZ 0 Puffer: A 0 · B 0 · D 0 → kritischer Pfad A–B–D (Dauer 9) C: GP = 5−3 = 2 Tage Luft

Interpretation ist die halbe Miete: Verzögert sich ein Vorgang auf dem kritischen Pfad, verschiebt sich das Projektende. Freier Puffer = Spielraum, ohne den FAZ des Nachfolgers zu verschieben. Das Gantt-Diagramm zeigt dieselben Vorgänge als Balken über der Zeit – gut für Kommunikation, der Netzplan für die Logik.

09.3 · Lastenheft & Pflichtenheft

AP1, ProjektHäufig

Lastenheft und Pflichtenheft regeln in einem Projekt, wer was wann festlegt – das eine beschreibt die Anforderungen des Kunden, das andere die Umsetzung durch den Anbieter.

LastenheftPflichtenheft
VerfasserAuftraggeberAuftragnehmer
InhaltWAS und WOFÜR: Anforderungen, Ziele, RahmenbedingungenWIE und WOMIT: konkrete Umsetzung der Anforderungen
Zeitpunktvor der Ausschreibung/BeauftragungAntwort darauf; nach Freigabe Vertragsgrundlage

Merksatz: Lastenheft = Wunschliste des Kunden, Pflichtenheft = Umsetzungsplan des Anbieters. Anforderungen sauber trennen in funktional („System soll Benutzer anlegen können“) und nicht-funktional (Performance, Sicherheit, Verfügbarkeit).

09.4 · Vorgehensmodelle

AP1, AP2regelmäßig

Ein Vorgehensmodell legt fest, in welcher Reihenfolge und mit welchen Meilensteinen ein Projekt abläuft. Man unterscheidet grob zwei Familien: klassische Modelle planen das Projekt vorab vollständig durch und arbeiten die Phasen nacheinander ab, agile Modelle planen nur kurzfristig und passen sich laufend an neue Erkenntnisse an.

Klassisch

  • Wasserfall: Phasen strikt nacheinander, Ergebnis am Ende – planbar, aber änderungsfeindlich.
  • V-Modell: jeder Entwicklungsphase steht eine Testphase gegenüber.
  • PRINCE2: britischer Standard, stark prozessorientiert – sieben Prinzipien, sieben Themen, sieben Prozesse, klare Rollen und stufenweise Freigabe.
  • PMBOK: US-Standard des PMI, eher Sammlung von Best Practices als festes Ablaufschema – gegliedert in Prozessgruppen und Wissensgebiete.
  • ICB 4.0: IPMA-Standard, zertifiziert die Person statt das Projekt – Kompetenzen in Perspektive, Menschen, Praktik.

Alle drei kennen mittlerweile auch agile Varianten (z. B. PRINCE2 Agile) – hier stehen sie als die klassischen Standards, wie sie in der Prüfung meist gemeint sind.

Agil

  • Scrum: iterativ in Sprints (2–4 Wochen), Rollen Product Owner / Scrum Master / Entwicklungsteam, Artefakte Product Backlog → Sprint Backlog → Increment.
  • Kanban: Board mit WIP-Limits, kontinuierlicher Fluss statt Sprints.

09.5 · Qualitätssicherung & Testen

AP1, AP2, Projektregelmäßig

Qualitätssicherung prüft in mehreren Stufen, ob eine Software das tut, was sie soll – von einzelnen Programmteilen bis zum fertigen Gesamtsystem.

  • Teststufen: Unit-/Modultest → Integrationstest (Zusammenspiel) → Systemtest (Gesamtsystem gegen Anforderungen) → Abnahmetest (durch den Kunden, Grundlage: Pflichtenheft/Testprotokoll).
  • Blackbox (Verhalten von außen, Äquivalenzklassen, Grenzwerte: 0, 1, Maximum, Maximum+1) vs. Whitebox (mit Codekenntnis, Pfadabdeckung). Regressionstest nach Änderungen.
  • PDCA (Deming): Plan → Do → Check → Act – kontinuierliche Verbesserung; taucht in QS-, ISMS- und Prozessfragen auf.
  • Dokumentation ist Teil der Qualität: Testprotokolle, Übergabedoku, Betriebshandbuch – und bei deiner Projektarbeit Pflichtbestandteil der Bewertung.

09.6 · Deine Projektarbeit bei der IHK Rhein-Neckar

ProjektSekundär

Die betriebliche Projektarbeit ist der praktische Teil der AP2 – wer die Rahmendaten und typischen Stolpersteine kennt, kann sich rechtzeitig darauf einstellen.

  • Umfang: max. 40 Stunden betriebliche Projektarbeit · Doku max. 15 Seiten (+ Anhang) · Präsentation ca. 15 min + Fachgespräch ca. 15 min. Projektarbeit + Präsentation/Fachgespräch = 50 % der AP2.
  • Fristen 2026 (Stand Juli 2026): Sommertermin: Antrag bis 10. März, Doku-Abgabe bis 26. Mai · Wintertermin: Antrag 8.–25. September, Doku bis 15. Dezember. verifizieren!
  • Antrag: reales betriebliches Projekt mit Entscheidungsspielraum (Vergleich/Auswahl/Konzeption – nicht nur „Installation nach Anleitung“), Genehmigung abwarten, erst dann starten.
  • Bewährte Struktur der Doku: Ausgangssituation → Ziele/Anforderungen → Planung (Zeit, Kosten, Ressourcen – Netzplan/Gantt zeigen!) → Durchführung mit Entscheidungen und Begründungen → Abnahme/Test → Fazit/Ausblick. Wirtschaftlichkeitsbetrachtung nicht vergessen (→ Kernthema 10).
  • Kosten im Praktikumsbetrieb früh klären: Wer betreut, welche Projekte kommen infrage, was darf dokumentiert werden (NDA?).

09.7 · Eigene Notizen

ungeprüft

Platz für das, was in Unterricht und Praktikum dazukommt. Abschnitt kopieren, Inhalt eintragen, später das Belegzeichen austauschen – System siehe Legende.