02 · Hardware & IT-Arbeitsplatz
AP1Kernbereich der AP1 „Einrichten eines IT-gestützten Arbeitsplatzes“: Komponenten kennen, bedarfsgerecht auswählen und die Wahl begründen.
02.1 · CPU, RAM & Mainboard
AP1regelmäßigEin Computer besteht im Kern aus drei zusammenspielenden Bauteilen: Der Prozessor führt Befehle aus, der Arbeitsspeicher hält die Daten dafür bereit, und das Mainboard verbindet beide mit dem Rest der Hardware.
CPU
Führt Befehle aus, nach dem von-Neumann-Prinzip mit den Bauteilen:
- Rechenwerk – führt die eigentlichen Rechen- und Vergleichsoperationen aus (ALU).
- Steuerwerk – holt Befehle aus dem Speicher, dekodiert sie und steuert den Ablauf.
- Speicher – hält Programm und Daten gemeinsam im selben Adressraum, das namensgebende Prinzip.
- Ein-/Ausgabe – verbindet den Rechner mit Tastatur, Bildschirm, Netzwerk und Co.
- Bussystem – transportiert Daten, Adressen und Steuersignale zwischen allen Bauteilen.
Wichtige Kenngrößen:
- Taktfrequenz – wie viele Zyklen die CPU pro Sekunde durchläuft, in GHz.
- Kerne – physisch eigenständige Recheneinheiten auf einem Chip; jeder Kern arbeitet unabhängig einen eigenen Befehlsstrom ab, das ist echte Parallelität.
- Threads – logische Verdopplung je Kern (z. B. Hyper-Threading/SMT); zwei Threads teilen sich die Ausführungseinheiten eines Kerns und füllen dessen Leerlaufzeiten, bringen aber keine doppelte Rechenleistung.
- Cache (L1–L3) – schneller Zwischenspeicher nahe am Kern; je niedriger die Stufe, desto schneller, aber kleiner.
- TDP – die Wärmeleistung, die das Kühlsystem dauerhaft abführen muss.
Mehr Kerne helfen bei Parallellast (VMs, Kompilieren), hoher Takt bei Einzelthread-Last.
RAM
Flüchtiger Arbeitsspeicher – die wichtigsten Begriffe dazu:
- DRAM – dynamisch, muss ständig aufgefrischt werden, günstig und hochkapazitiv; der normale Hauptspeicher.
- SRAM – statisch, schneller, aber teurer; steckt im CPU-Cache.
- DDR4/DDR5 – aktuelle Generationen, DDR5 mit höherer Bandbreite.
- DIMM/SO-DIMM – DIMM ist die volle Riegelgröße für Desktop und Server, SO-DIMM die kompakte Bauform für Laptops.
- Multi Channel – mehrere Riegel parallel angesprochen (Dual/Triple/Quad Channel), vervielfacht die Speicherbandbreite entsprechend der Kanalzahl.
- Latenz (CL) – Wartezyklen zwischen Anfrage und Datenlieferung; niedrigere CAS-Latency heißt schnellerer Zugriff bei gleichem Takt.
- ECC-RAM – erkennt und korrigiert Bitfehler selbstständig; Standard im Server.
Mainboard
Verbindet alles:
- Sockel – nimmt die CPU auf und stellt die elektrische Verbindung zum Board her.
- Chipsatz – steuert den Datenfluss zwischen CPU, RAM und Peripherie.
- RAM-Slots – nehmen die Arbeitsspeicherriegel auf.
- PCIe-Steckplätze – für Erweiterungskarten wie Grafik- oder Netzwerkkarte.
- M.2 – kompakter Steckplatz direkt auf dem Board, meist für schnelle SSDs.
- Thunderbolt – über USB-C, bis 40 Gbit/s, kombiniert Daten, Bildsignal und Stromversorgung in einem Kabel (Details in 02.3).
- FireWire (IEEE 1394) – älterer serieller Hochgeschwindigkeitsbus, vor allem für Videogeräte; heute von USB/Thunderbolt abgelöst.
BIOS/UEFI: Firmware, initialisiert Hardware (POST) und startet den Bootloader; UEFI ist der Nachfolger mit GPT-Partitionierung (Platten > 2 TB) und Secure Boot.
02.2 · Massenspeicher: HDD, SSD & Schnittstellen
AP1, AP2regelmäßigMassenspeicher unterscheiden sich vor allem in Geschwindigkeit, Haltbarkeit und Preis pro Terabyte – von der klassischen Festplatte über die SATA-SSD bis zur deutlich schnelleren NVMe-SSD.
HDD
Mechanischer Datenträger mit rotierenden Magnetscheiben – langsamer und stoßempfindlicher als Flash, aber pro Terabyte am günstigsten und deshalb die Standardwahl für Archiv und große Kapazitäten. Gängige Arten und Anschlüsse:
- Desktop-/Server-HDD (3,5″) – Standardgröße mit den größten Kapazitäten, aktuell bis über 16 TB.
- Notebook-HDD (2,5″) – kompakter, aber langsamer und mit weniger Kapazität.
- NAS-HDD – für 24/7-Dauerbetrieb und Vibrationen im Mehrplattengehäuse ausgelegt, haltbarer als Desktop-Modelle.
- Externe HDD – Desktop- oder Notebook-Platte im USB-Gehäuse, für Backup und mobilen Einsatz.
- SATA – Standardschnittstelle für HDDs im PC, aktuell SATA III mit bis zu 6 Gbit/s (~600 MB/s).
- SAS – robustere Schnittstelle für Server, erlaubt mehreren Controllern gleichzeitigen Zugriff auf dieselbe Platte.
SSD
Flashspeicher ohne bewegliche Teile: schneller, stoßfest, lautlos. Wie viele Bits eine Speicherzelle speichert, entscheidet über Preis und Haltbarkeit:
- SLC – 1 Bit/Zelle, am schnellsten und langlebigsten, aber teuer; heute nur noch im Enterprise-Bereich.
- MLC – 2 Bit/Zelle, guter Kompromiss aus Tempo und Preis.
- TLC – 3 Bit/Zelle, heutiger Standard in Consumer-SSDs.
- QLC – 4 Bit/Zelle, günstigste und größte Kapazität, aber langsamer und mit den wenigsten Schreibzyklen.
Vergleich
| Merkmal | HDD | SSD |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | langsamer (i. d. R. 80–160 MB/s) | deutlich schneller (i. d. R. 200 MB/s bis über 5.000 MB/s) |
| Kapazität | höher (bis zu mehreren Terabyte) | niedriger (i. d. R. bis 4 TB) |
| Langlebigkeit | weniger langlebig durch bewegliche Teile | langlebiger (keine beweglichen Teile) |
| Stromverbrauch | höher | niedriger |
| Geräuschbelastung | hörbar durch bewegliche Teile | lautlos |
| Kosten pro GB | niedriger | höher |
| Formfaktoren | 2,5″, 3,5″ | 2,5″, M.2 (SATA, NVMe), PCIe (NVMe) |
| Schnittstellen | SATA | SATA, M.2, PCIe |
| NVMe-Technologie | nicht zutreffend | höhere Geschwindigkeit, geringere Latenz |
| M.2-Typen | nicht zutreffend | SATA III, PCIe 3.0 ×2, PCIe 3.0 ×4 |
Ergänzend: Im Server gibt es SSDs auch als U.2-Variante. Für die Auswahl zusätzlich wichtig: IOPS (Zufallszugriffe pro Sekunde) und TBW (Total Bytes Written – wie viel insgesamt geschrieben werden darf, bevor der Flash verschleißt).
02.3 · Schnittstellen & Peripherie
AP1gelegentlichZu einem vollständigen Arbeitsplatz gehören neben CPU und Speicher auch die Schnittstellen, über die Geräte angeschlossen werden, sowie die Peripherie selbst – vom Drucker über den Scanner bis zu Maus und Webcam.
Schnittstellen
Die wichtigsten Anschlussarten für Peripheriegeräte:
- USB
- USB 2.0 – 480 Mbit/s, heute nur noch für einfache Geräte wie Tastatur oder Maus.
- USB 3.x – 5–20 Gbit/s, Standard für externe Datenträger.
- USB4/Thunderbolt – bis 40 Gbit/s über USB-C, inklusive DisplayPort-Alt-Mode und Power Delivery bis 240 W.
- Video
- HDMI – Consumer-Standard, überträgt auch Ton.
- DisplayPort – PC-Standard, mehrere Monitore per Daisy-Chain.
- VGA/DVI – veraltet, kaum noch verbaut.
- Auflösungen – Full HD (1920×1080), WQHD (2560×1440), 4K/UHD (3840×2160).
Drucker
Druckertypen unterscheiden sich vor allem in Einsatzzweck und Folgekosten:
- Laserdrucker – Büro-Standard: schnell, günstig pro Seite, wischfest.
- Tintenstrahldrucker – stark bei Foto und Farbe, günstiger in der Anschaffung, aber teurere Folgekosten.
- Thermodrucker – für Bons und Etiketten, kommt ohne Toner oder Tinte aus.
- Multifunktionsgerät – kombiniert Drucker, Scanner und Kopierer (oft auch Fax) in einem Gerät.
- Duplexdruck – bedruckt automatisch beide Seiten, spart Papier.
- Seitenpreis – wichtigstes Kaufkriterium bei hohem Druckvolumen, oft wichtiger als der Anschaffungspreis.
Scanner
Wichtige Begriffe rund um den Scanner:
- Flachbettscanner – Vorlage liegt auf einer Glasplatte, geeignet für Einzelblätter, Bücher und empfindliche Vorlagen.
- Dokumenteneinzug (ADF) – zieht mehrere Blätter automatisch nacheinander ein, für größere Stapel.
- Auflösung (DPI) – Punkte pro Zoll, bestimmt die Bildschärfe des Scans.
- Duplex-Scan – erfasst beide Seiten einer Vorlage in einem Durchgang.
- OCR (Texterkennung) – wandelt den gescannten Text in durchsuchbaren und bearbeitbaren Text um.
Weitere Peripheriegeräte
Weitere Geräte, die zum Arbeitsplatz gehören:
- Tastatur/Maus – kabelgebunden oder per Funk (2,4-GHz-Dongle oder Bluetooth); ergonomische Formen beugen Belastungsschäden vor.
- Monitor – entscheidend sind Auflösung, Panel-Typ (IPS für Farbtreue, TN für Reaktionszeit, VA als Kompromiss) und Bildwiederholrate.
- Webcam – für Videokonferenzen; Auflösung und Blickwinkel sind die wichtigsten Kaufkriterien.
- Dockingstation – bündelt mehrere Schnittstellen für den Laptop-Arbeitsplatz an einem einzigen Kabel.
- Kartenlesegerät – liest Smartcards, z. B. für die eID-Funktion des Personalausweises oder Signaturkarten.
Typische AP1-Aufgabe: Arbeitsplatz für ein Anforderungsprofil (CAD, Buchhaltung, Homeoffice) zusammenstellen und jede Komponente kurz begründen – Nutzwertargumente statt Markennamen.
02.4 · USV – unterbrechungsfreie Stromversorgung
AP1, AP2regelmäßigEine unterbrechungsfreie Stromversorgung überbrückt kurze Stromausfälle und schützt vor Spannungsschwankungen – die vier Bauarten unterscheiden sich darin, wie schnell und wie sauber sie das tun.
| USV-Art | IEC-Klasse | Was macht sie? | Umschaltzeit | Einsatzgebiet |
|---|---|---|---|---|
| Offline-USV (Standby) | VFD (Voltage and Frequency Dependent) | Schaltet bei Stromausfall auf Batterie um. Im Normalbetrieb werden die Geräte direkt aus dem Stromnetz versorgt. | 4–10 ms | Einzelplatz-PCs, Drucker, kleine Büros |
| Line-Interactive-USV | VI (Voltage Independent) | Schützt vor Stromausfall und gleicht zusätzlich Unter- und Überspannungen automatisch aus (AVR). | 2–4 ms | Workstations, Netzwerkschränke, kleine Server |
| Online-USV (Dauerwandler) | VFI (Voltage and Frequency Independent) | Versorgt die Geräte permanent über die USV. Es gibt keine Umschaltzeit, daher maximaler Schutz. | 0 ms | Server, Rechenzentren, medizinische Systeme |
| Rotations-USV | keine IEC-Klasse für batteriegestützte USV | Speichert Energie in einem Schwungrad und überbrückt Stromausfälle sofort. | 0 ms | Industrieanlagen, große Rechenzentren |
Batteriegestützte Klassen (VFD/VI/VFI) nach IEC 62040-3, Rotations-USV fällt nicht darunter.
Dimensionierung – benötigte Scheinleistung:
USV schützt gegen Ausfall, Über-/Unterspannung und Frequenzschwankungen – und gibt Zeit für ein sauberes Herunterfahren (Steuerung über USB/Netzwerk, z. B. NUT oder Herstellertools; die Synology kann das nativ).
02.5 · Ergonomie, Arbeitsschutz & Green IT
AP1RahmenplanregelmäßigEin IT-Arbeitsplatz muss nicht nur funktionieren, sondern auch den Menschen davor schützen und Ressourcen schonen – das eine regelt der Arbeitsschutz, das andere Green IT.
Arbeitsschutz
- Bildschirmarbeitsplatz (ArbStättV):
- Blickrichtung parallel zum Fenster
- Oberkante Display auf Augenhöhe
- entspiegelter Monitor
- verstellbarer Stuhl
- ausreichende Beleuchtung (~500 lx)
- Beinfreiheit
- externe Tastatur/Maus am Laptop-Arbeitsplatz
- Warum es das Unternehmen interessiert: weniger Ausfälle, Fürsorgepflicht, Produktivität – gutes Begründungsargument in AP1-Antworten.
- Barrierefreiheit: bei Auswahl und Einrichtung berücksichtigen – Bildschirmlupe, Screenreader, Kontraste, Tastaturbedienbarkeit, höhenverstellbare Tische.
Green IT
Green IT umfasst Maßnahmen zur umweltfreundlichen und ressourcenschonenden Nutzung von Informationstechnologie. Ziel ist es, den Energieverbrauch, CO₂-Ausstoß und Elektroschrott zu reduzieren. Beispiele sind energieeffiziente Geräte, Virtualisierung und die Nutzung erneuerbarer Energien in Rechenzentren.
- Energieeffizienz (80-PLUS-Netzteile, Energy Star, Blauer Engel)
- niedrige Standby-Verbräuche
- Lebensdauer und Reparierbarkeit
- fachgerechtes Recycling (ElektroG)
- Wiederverwendung (Refurbishing)
Stromkosten rechnen: W = P · t, Kosten = kWh · Preis.
02.6 · Elektrotechnik-Basics
AP1gelegentlichZwei einfache physikalische Formeln reichen für die FISI-Prüfung aus, um Leistung und Energieverbrauch von Geräten zu berechnen.
Taucht eingebettet auf: Netzteil-Dimensionierung, USV-Aufgaben, Stromkosten, PoE-Budgets (Switch liefert z. B. 370 W für alle Ports zusammen – reicht das für 12 Kameras à 25 W? Nein: 300 W + Reserve knapp).
02.7 · Eigene Notizen
ungeprüftPlatz für das, was in Unterricht und Praktikum dazukommt. Abschnitt kopieren, Inhalt eintragen, später das Belegzeichen austauschen – System siehe Legende.